Tiere

Rosafarbene Delfine in Südamerika

Das Standartbild der Delfine ist für viele der große Tümmler, doch im Norden Südamerikas befindet sich ein Flussdelfin welcher besonders durch seine rosafarbene Färbung auffällt.

Boto im Duisburger Zoo
Boto im Duisburger Zoo © belgianchocolate / Flickr

Boto, Bofeo, Tonina, das sind die Namen, unter denen die Süßwasserdelfine in Südamerika bekannt sind. Es gibt zwei Haupt- und mehrere Unterarten, welche im Amazonas und im Orinoco beheimatet sind. Wir beschäftigen uns hier hauptsächlich mit dem Inia Geoffrensis, der bekanntesten Art.

Wie alle Delfine gehört auch dieser der Familie der Zahnwale an und ist ein Säugetier. Aufgrund dessen muss er Sauerstoff atmen und kommt etwa alle 30 Sekunden an die Wasseroberfläche. Hier fällt einem schon vom Boot ein Unterschied zu dem bekannten Delfinbild auf: Der Boto hat nämlich keine spitze, sondern eine kleine und abgerundete Rückenflosse, welche eher an einen Rückenkamm erinnert.

Seine Brustflossen sind hingegen spitzer als die von Ozeandelfinen. Im Gegensatz zu diesen hat er auch einen rundlicheren Kopf und eine längere sowie abgesetzte Schnauze. Einmalig in der Welt der Delfine sind die Borstenhaare, welche sich auf seiner Schnauze befinden. Diese ähneln in der Funktionsweise den Tast- und Schnurrhaaren von Katzen und helfen ihm, sich im trüben Gewässer zu Recht zu finden.

Aufgrund des trüben Wassers kann sich der Delfin nicht auf seine Augen verlassen. Diese sehen nicht nur recht verkümmert aus, sondern sind auch kaum funktionsfähig. Trotz seiner Kurzsichtigkeit, ist der Boto der Flussdelfin mit den besten Augen.

Inia Geoffrensis mit geöffneter Schnauze
Inia Geoffrensis mit geöffneter Schnauze © Jorge Andrade / Wikimedia

Eine weitere Besonderheit sind die Zähne des rosafarbenen Delfins: Bei Salzwasserdelfinen sind diese gleichmäßig groß und breit, beim Boto ist dies jedoch nicht der Fall. Seine Vorderzähne sind spitz, während die hinteren breiter und abgerundet sind. Dadurch ist es ihm möglich, seine Nahrung zu kauen und so gar Panzer zu knacken. Auf seinem Speiseplan befinden sich nämlich nicht nur kleinere Fischarten, sondern auch Krebse und Schildkröten.

Am frühen Morgen und späten Nachmittag sind die Flussdelfine am aktivsten. Zu dieser Zeit jagen sie oder wandern von einem Gewässer zum nächsten. Alle Flussdelfinarten Südamerikas sind Einzelgänger. Nur bei einer großen Ansammlung von Beutetieren oder einer Trockenzeit bilden sie Gruppen, welche durchschnittlich zwischen 10 bis 15 Tiere beinhalten.

Sie sind weniger aktiv als Ozeandelfine und springen seltener, dafür sind sie jedoch wendiger. Grund dafür ist, dass ihre Halswirbel und ihr Schultergelenk nicht verwachsen sind; was bei Delfinen normalerweise der Fall ist. Das macht es ihnen möglich, im Wasser liegende Hindernisse besser zu umschwimmen, wie beispielsweise Baumstämme oder von Menschen platzierte Fallen.

Bei Hochwasser durchwandern die Delfine die überfluteten Wälder. Dies hat dazu beigetragen, dass diese in nahe zu allen Flüssen, Lagunen und Seen Boliviens, Brasiliens, Kolumbiens, Perus, Venezuelas und Ecuadors zu finden sind. Der Inia Geoffrensis ist die am wenigsten gefährdete Flussdelfinart der Welt. Trotzdem wurde sie 2018 auf die Rote Liste gesetzt.

Die Lebenserwartung der südamerikanischen Flussdelfine liegt bei etwa 20 Jahren. Je nach Art werden die Weibchen zwischen 5 und 14 Jahren geschlechtsreif, bei Männchen liegt die Zeitspanne zwischen 9 und 13 Jahren. Die Schwangerschaft dauert knapp ein Jahr, weswegen weibliche Flussdelfine etwa alle zwei Jahre ein Kalb bekommen.

Kälber werden am Flussgrund geboren und haben eine enge Bindung zu ihrer Mutter. Diese starke Verbindung kann zwischen drei und sechs Jahren anhalten. Mütter säugen ihre Kälber bis zu 20 Monate nach der Geburt, obwohl diese bereits nach sechs Monaten feste Nahrung zu sich nehmen. Ausgewachsen werden diese Tiere zwischen 2,5 und 3 Meter lang und erreichen ein Gewicht von bis zu 160 Kilogramm.

Inia Geoffrensis unterwasser
Inia Geoffrensis unterwasser © Michelle Bender / Wikimedia

Geboren werden die Delfine silbergrau. Erst im Laufe der Jahre verliert der Amazonas-Delfin seine graue Farbe, da sein Körper aufhört Melanin zu produzieren und seine Haut zeitgleich dünner wird. Die Tiere sehen zwar dann eher rosa aus, haben in Wirklichkeit jedoch eine durchsichtige Haut.

Die rosa Färbung, die wir sehen, ist also das Blut der Delfine, welches durch ihre Adern fließt. Je nachdem wie schnell das Blut zirkuliert, sieht ihre Haut für uns hell- oder dunkelrosa aus. Weibchen sind nicht ganz so rosafarben wie die Männchen. Vor allem am Rücken behalten sie eine gräulichere Farbe. Woran das genau liegt, ist jedoch noch nicht bekannt.

Weibchen haben auch ein ganz eigenes Bild von Attraktivität: Je mehr Narben ein Männchen hat, desto attraktiver wirkt es auf sie. Trotz all dem haben auch junge Männchen eine Chance. Um die Weibchen zu beeindrucken, klatschen sie Gegenstände auf die Wasseroberfläche und drehen sich im Kreis. Zumindest in diesem Punkt gleicht der rosafarbene Flussdelfin ganz dem Bild, was wir aus Film und Fernsehen kennen.

Um euch einen Einblick darin zu geben, wie man diesen Tieren begegnet, haben wir hier zwei Videos für euch! Einmal mit einer Fütterung vom Boot aus, und einem der Schwimmangebote, mit den Flussdelfinen:


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